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Reisetagebuch
Allgemeines

Dresdner Frühling und Prager Eisheilige

11. Mai 2026 | Frank Wallburger (Reiseleiter)
Welch ein herrliches Frühlingswochenende! Überall waren gut gelaunte Menschen zu sehen auf Dresdens weitläufigen Elbewiesen, Fahrradwegen, in den Parks und Gastrogärten, an den Weinhängen … Die Stadt atmete förmlich auf, und auch unser Beethoven-Projekt formte sich weiter.

Mich erreichte eine E-Mail mit den Planungsdokumenten für unsere Konzertbühne – nachdem wir letzte Woche noch einmal weitere Details schärften, wird das technische Rückgrat jetzt auch visuell greifbar.

Doch die Kunst fordert ihren Tribut an Reibung. Ich versende an unser Projektleitungsteam und weitere ausgewählte Adressen eine erste Idee eines Videotrailers zu unserer Beethoven-Reise. Das Echo ist geteilt – es schwankt zwischen „viel zu unruhig und chaotisch“ und „das zündet, sehr gut – habe mir das Video mehrfach angesehen“. Vielleicht braucht das Neue genau diese Unruhe, um die Menschen aus der Reserve zu locken?

Dann, in der Nacht, kam der Wetterumschwung. Die Eisheiligen schieben sich über das Land, und mit der Kälte kroch eine ganz andere Melancholie in mein Bewusstsein. Ich muss an Ludwig van Beethoven denken. Seinen Besuch in Prag nach 230 Jahren hatte ich mir gänzlich anders vorgestellt. In der goldenen Stadt will einfach kein Götterfunken auf den Meister überspringen, der auf der Prager Kleinseite nur einen „thieffer Jammer“ beklagt.

Sein Zorn richtet sich gegen alles: gegen die Kälte, gegen die Zeit und vor allem gegen die „Wucher“-Preise. Dass ein paar Eier und Lauch auf dem Wochenmarkt am Kleinseitner Ring heute fast zwei Gulden kosten sollen, empfindet er als blanken Raub. Er fühlt sich wie ein Gefangener seiner eigenen Knochen, während er depressiv in seinem „feuchten Prager Loche“ auf Gerechtigkeit durch seinen Advokaten Kaňka hofft. Dort, in seinem morschen Gästezimmer, das nach „altem Staub und ungewaschener Hoffnung“ riecht, scheinen die alten Leiden seines ersten Lebens ihn böse zu umarmen.

Während die Eisheiligen draußen den Frühling ausbremsen, spüre ich, dass wir den Meister erst wieder aus dieser Prager Depression und seinem Groll befreien müssen. Der Götterfunken muss entzündet werden. Vielleicht ist es gerade unser Trailer, der trotz aller Unruhe die nötige Energie dafür liefern könnte?