Wien, Prag, Dresden: Frühlingssonne streichelt die Dächer
Die Sonne scheint auf die alten Dächer von Wien, Dresden und Prag. Ein sanfter Frühlingswind lässt mich nachdenken: Ob sich Beethoven bereits auf seinen Aufbruch nach Prag im April vorbereitet?
Sein zweites Leben seit dem 8. Januar zeigt ihn anders als erwartet: zurückgezogener, noch tauber und überfordert von all dem Lärm und den vielen Eindrücken unserer Zeit, abgesondert wie in seinen letzten Jahren. Er komponiert jetzt mit Worten statt mit Noten, sucht die Ruhe und meidet die Menschen. Heiligenstadt hat er besucht, ja, und auch sein Grab – aber Orte aus seiner Vergangenheit scheut er meist. Stattdessen faszinieren ihn Stellen, wo sein Werk weiterlebt, wie Gustav Klimts Beethovenfries.
Was mich beschäftigt: Er hat seine erste „Wort-Sinfonie" fertiggestellt – ein wildes, zerrissenes Werk aus Chaos, das er noch einmal genau überarbeitet hat. Damit fühlt er sich bereit für die erste Reiseetappe. Wien hinter sich lassen, Prag neu ertasten als lebendiger Mann in 2026. In Gedanken rede ich mit ihm. Ich stelle mir vor, wir sitzen in einem Wiener Kaffeehaus. Vor mir ein Espresso, vor ihm ein starker Kaffee, sein Blick finster.
„Wallburger", sagt er plötzlich mit rauer Stimme, „Prag im April – wo soll ich zuerst hingehen? In den Vyšehrad-Park mit Blick auf die Moldau? Oder später den Kurpark in Teplitz, auf dem Weg nach Dresden?" Ich überlege. Geht er wirklich hin, oder dreht er um? „Meister, die Sonne scheint auf Ruinen und Wälder. Vyšehrad hat diese Ruhe und den Flussklang. Teplitz mit seinen heißen Quellen und Bäumen – dort haben Sie früher gearbeitet und ein gesünderes Leben erhofft."
Er schweigt lange und schaut mich an. „Die Ruinen vielleicht, Wallburger. Vyšehrad? Mal sehen. Teplitz... die Wälder dort helfen, den Kopf frei zu bekommen. Nicht wegen Goethe. Ich brauche einfach Stille, kein Gedränge."
„Und Klimts Fries? All die Menschen in Wien und Prag?" frage ich leise.
„Das goldene Bild", brummt er, „sie haben mein Ringen gemalt, nicht mich selbst. Gut so. Aber die Welt heute? Zu hell, zu laut – überall blinkende Lichter statt ruhiger Kerzen. Schreib auf: Nach meinem neuen Werk suche ich Parks, keine großen Säle. Ich bin reisebereit – mit Worten statt Musik."
Ich spüre die Unsicherheit: Dieser innere Austausch bleibt offen, voller Fragen. Die Sonne lockt: Wien als Start, Dresden mein Zuhause, Prag das Ziel. Er macht sich auf den Weg. Ich, der Reiseleiter, folge ihm – gespannt, wohin es geht.