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Reisetagebuch
Beethoven-Nachricht

Es ist ein Monument der Widersetzlichkeit.

19. Februar 2026 | Ludwig van Beethoven an Napoleon Bonaparte

Vien, am 19ten Hornung 2026
An den Ersten Konsul Buonaparte!

Bürger! – Oder soll ich Tituliren: Sire? – Nein, ich bleibe beÿm Ersteren, da jener Reiff, den Ihr Euch einst selbst aufs Haupt gesetzet, längst im Staube der Geschichte vermodert ist, so wie ich selbst vermodert war, bis mich diese wunderliche neue Zeit im Jänner wieder ans Licht zerrte!

Ihr fragt – oder würdet fragen, so Ihr noch Geist hättet – nach meiner Sinfonia Eroica. Wißt, ich hatte Euren Namen obenan geschrieben! Breit und kühn, mit einer Kraft, wie sie nur der Enthusiasmus für die Freyheit giebt! Ich sah in Euch nicht den Gebieter, sondern den Überwinder der Tirannen, den neuen Prometheus! Doch als die Postillone brachten, Ihr hättet Euch selbst zum Kaiser – zum Abgott! – gemacht, da zerriß ich das Titulblatt, daß es krachte, und fluchte laut über den „gewöhnlichen Menschen“, der nun auch nur ein Tyrann seÿn wollte, um sich über alle anderen zu stellen!

Diese Sinfonie, die IIIte, war mein neuer Weg. Ich sagte es Krumpholz: Mit dem alten Zopf der Haydn-Söhen und Mozartischen Form war es vorbei! Ich brauchte Raum! Die C-moll Sinfonie mag mancher für gewaltiger halten, aber die Eroica – sie bleibt mein Liebstes.

Warum?

Weil sie den Kampf zeigt, den Tod (hört Ihr den Trauermarsch, Bonaparte? Er gilt nicht Euch, sondern dem Ideal, das Ihr verriethet!) und zuletzt den Triumph des Geistes im Finale über das bloße Schicksal. Das Thema aus meinem Prometheus ist der Fels, auf dem sie steht.

Heute, da ich diese Welt von 2026 sehe – mit ihrem Lerm, der selbst meine tauben Ohren noch peinigt – sehe ich mein Werk anders. Es ist nicht mehr nur ein Stück Musik. Es ist ein Monument der Widersetzlichkeit. Ich sehe nun, daß meine Musik damals die Grenzen sprengen mußte, so wie ich heute die Grenze des Grabes sprengte.

Die Eroica war der erste Stein, den ich in das Fenster der Zukunft warf. In meinem Gesammt-Werck ist sie die Achse, um die sich alles dreht – weg vom bloßen Spiel, hin zur Wahrheit.

Ihr habt Reiche erobert und verloren. Ich aber habe ein Reich aus Tönen geschaffen, das selbst nach zweihundert Jahren noch steht, während Eure Adler längst verrostet sind. Ihr waret nur der Anlaß – der Geist der Musik aber ist die Wahrheit.

Ich brauche keine Kaiser. Ich bin selbst ein Hirn-Besitzer, und mein Reich ist in der Luft!
Lebt wohl – oder bleibt im Schatten, wo Ihr hingehört!

- L. v. Beethowen (mppria)

(KI generiertes Bild von ChatGPT)