Drei Fragen an: Anne Barth
Was verbindet Dich mit Leben und Werk von Beethoven oder auch nicht?
Bei dem Namen Beethoven fällt mir zuerst “Freude schöner Götterfunken” ein. Aber ich denke auch an meine Studienzeit zurück, ich habe einige Jahre in Beethovens Geburtsstadt Bonn gelebt und studiert. Und natürlich sein Aussehen. Der eher grimmige Blick, die wilden grauen Haare.
Warum gehst Du mit Beethoven und uns in diesem Jahr auf diese fiktive Reise?
An der Reise reizt mich vor allem die Kollaboration mit so vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern. Als Fotografin arbeite ich oft allein, aber eigentlich liebe ich eine Zusammenarbeit im Team. Ich freue mich sehr auf den Austausch und glaube, dass dieser mich sehr bereichern wird, nicht nur künstlerisch.
Wenn Beethoven Dir gegenüber sitzen würde: Welche Themen sprichst Du an? Welche Fragen stellst Du?
Ich denke nicht, dass mir eine Frage unter den Nägeln brennt, die ich Beethoven gerne stellen würde. Tatsächlich habe ich einen ambivalenten Eindruck von ihm als Zeitgenossen. In dem, was man über ihn liest und hört, wie sein Wesen war, schwingt in meinem Kopf sofort der Begriff “toxische Männlichkeit” mit, und sollte sich dieser erste Eindruck in einer fiktiven Begegnung bestätigen, hätte ich kein Interesse an einem Gespräch.
Was mich wirklich fasziniert, ist sein Blick auf die Welt, geprägt vom Humanismus. Das Nicht-Anerkennen von Hierarchien verbindet ihn und mich in meinen Augen sehr. Interessant wird es ja immer, wenn man eine gemeinsame Basis hat, aber zu anderen Schlüssen gelangt.
In einem Podcast über ihn wurde sinngemäß die Aussage getroffen, dass Beethoven für den einzelnen Menschen nicht viel übrig hatte, aber extrem viel für die Menschheit an sich. Ich glaube, ich sehe das genau umgekehrt. Mich interessiert die Einzelne sehr, die Menschheit in ihrer Gesamtheit richtet in meinen Augen viel Schaden an. Hier wäre ein Ansatzpunkt, bei dem sich sicher ein interessanter Austausch entwickeln könnte.