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Reisetagebuch
Interviews

Drei Fragen an: Esteban von Wilhelm

05. März 2026 | Interview

1. Wenn der Name Ludwig van Beethoven fällt, was geht in Deinem Kopf vor?

Wenn ich den Namen Ludwig van Beethoven höre, denke ich an ein unbeugsames Genie, an einen Geist, der sich seinem Schicksal nicht unterworfen hat. Ich denke an jene innere Kraft, die Schmerz in Schönheit und Begrenzung in eine universelle Sprache verwandelt. Beethoven verkörpert für mich die radikale Freiheit des Schaffenden – jemanden, der selbst in tiefster Stille das Wesentliche hörte und es in zeitlose Werke verwandelte. Sein Name steht für Mut, Intensität und absolute Treue zur eigenen künstlerischen Berufung.

2. Was verbindet Dich mit Leben und Werk von Beethoven oder auch nicht?

Mich verbindet mit Beethoven die Erfahrung, aus der Widrigkeit heraus zu schaffen. Er komponierte einige seiner bedeutendsten Werke in völliger Taubheit; ich male großformatige Bilder in völliger Dunkelheit, nach dem Verlust meines rechten Auges, geleitet von einer eigenen Methode und inneren Wahrnehmung. Wie er habe ich verstanden, dass eine körperliche Einschränkung kein Ende bedeutet, sondern eine Transformation der Ausdrucksform. Uns verbindet nicht der Klang oder der Stil, sondern die Überzeugung, dass wahre Kunst aus einer inneren Kraft entsteht, die durch keine Umstände ausgelöscht werden kann.

3. Warum gehst Du mit Beethoven und uns in diesem Jahr auf diese fiktive Reise?

Ich habe diese Einladung angenommen, weil ich spüre, dass diese symbolische Reise nicht in die Vergangenheit führt, sondern in das Innere des schöpferischen Aktes. Mit Beethoven zu gehen bedeutet, in einen Dialog mit Widerstandskraft und der Würde des Künstlers zu treten, der trotz aller Erwartungen weiter schafft. Mich fasziniert die Möglichkeit, sein klangliches Schweigen mit meiner visuellen Dunkelheit zu verweben und zu zeigen, dass Kunst nicht von dem abhängt, was fehlt, sondern von dem, was im Inneren brennt. Dieses Projekt ist für mich ein Bekenntnis zur schöpferischen Kraft jenseits aller Grenzen.