Drei Fragen an: Jos Diegel
23. April 2026 | Interview
Wenn der Name Ludwig van Beethoven fällt, was geht in Deinem Kopf vor?
Zuerst natürlich das Unvermeidliche: Ta-ta-ta-Taaammm und Freude schöner Götterfunken (lach...). Aber darüber hinaus war Beethoven aus heutiger Sicht wohl der erste echte Popstar der klassischen Musik. Er wird als eine zeitlose Figur wahrgenommen, die bis heute musikalische und kulturelle Diskurse beeinflusst. Das wirft für mich die Frage auf, welche Rolle die Kultur, die künstlerische Freiheit und gerade das Experimentelle für unser gesellschaftliches Zusammenleben spielen: Kunst ist eben kein bloßes Beiwerk, sondern ein zentraler Motor für den Diskurs.
Dabei bin ich mit Beethovens Werk eigentlich gar nicht so tief bewandert. Was mich jedoch stark prägt, ist Friedrich Schillers Philosophie zur ästhetischen Erziehung. Deshalb schätze ich Beethovens Vertonung von "An die Freude‘" im vierten Satz seiner 9. Sinfonie so sehr: Er hat Schillers Appell an Freiheit, Einheit und Menschlichkeit eine universelle Stimme verliehen und ihn weltberühmt gemacht. Diese weltumspannende Arbeit begleitet Millionen Menschen durch ihr Leben – und das wird wohl ewig so bleiben.
Was verbindet Dich persönlich mit dem Leben und Werk von Ludwig van Beethoven?
Mich hat schon immer die Frage beschäftigt, warum Ludwig ein "van" und kein "von" im Namen trägt. Bei niederländischen Namen bezeichnet das "van" schlicht den Herkunftsort – eine Parallele zum niederländischen Teil meiner eigenen Familie. Es gibt da zudem eine faszinierende, wenn auch tragische historische Verbindung: Eine Namensverwandte von mir, Josyne van Beethoven aus Kampenhout, war eine vermeintliche Vorfahrin Ludwigs. Sie wurde 1595 als Hexe diffamiert und auf dem Grand-Place in Brüssel auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Warum gehst Du mit Beethoven und uns auf diese Reise?
Diese Reise bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion. Mich reizt vor allem die Mitarbeit an einem so großen Projekt mit Künstlerinnen und Künstlern aus den verschiedensten Disziplinen. Es geht darum, eine historische künstlerische Persönlichkeit im gegenwärtigen gesellschaftlichen Kontext neu zu reaktivieren. Letztlich ist es dieser Dialog zwischen den Zeiten, der uns neue Wege aufzeigt, wie wir heute Kunst und Gemeinschaft denken können.