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Reisetagebuch
Interviews

Drei Fragen an: Marion Abate

26. Februar 2026 | Interview

Was verbindet Dich mit Leben und Werk von Beethoven – oder auch nicht?

„Kunst entsteht dort, wo Widerstand nicht zum Ende, sondern zum Anfang wird.“ Mich verbindet mit Beethoven dieser kompromisslose Schaffensdrang – das Weitermachen trotz innerer und äußerer Brüche. Seine zunehmende Taubheit und dennoch sein „inneres Hören“ berühren mich sehr.

Auch ich kenne das Ringen mit Material, Technik und Scheitern – besonders im keramischen 3D-Druck, wenn Formen kollabieren oder Prozesse abbrechen. Genau dort entsteht oft das Entscheidende. Was uns trennt, ist vielleicht das Medium: Er komponierte Klang, ich forme Raum. Doch in beiden Fällen geht es um Rhythmus, Struktur und Verdichtung – um Komposition, sei es in der Zeit oder im Raum.

Wenn Beethoven Dir gegenübersitzen würde: Welche Fragen stellst Du?

„Wie klingt eine Idee, bevor sie Form annimmt?“ Ich würde ihn fragen, wie er komponierte, als er kaum noch hören konnte. Welche inneren Bilder ihn leiteten.

In meiner Arbeit entstehen Skulpturen auch digital, bevor sie materiell werden – ich arbeite mit virtuellen Modellen, Schichtaufbau, Übersetzung in Ton oder Polymer Ich würde wissen wollen: Hatte er innere Räume? Architekturen aus Klang? Und: Wie viel Mut braucht es, radikal gegen Erwartungen zu arbeiten?

Wie beeinflusst Beethoven Dich und uns noch heute?

„Freiheit ist eine Entscheidung – auch in der Kunst.“ Beethoven hat gezeigt, dass Kunst Haltung sein kann. Dass sie gesellschaftliche Vision formulieren darf. Diese Autonomie prägt mich – sowohl im Atelier als auch in meiner Lehre. Ich ermutige junge Menschen, eigene Maßstäbe zu entwickeln und Technologie nicht nur funktional, sondern ästhetisch zu nutzen. Beethoven war Innovation im 19. Jahrhundert.

Heute arbeiten wir mit 3D-Druck und KI – aber die Frage bleibt dieselbe: Wie erschaffen wir etwas, das über uns hinausweist?