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Reisetagebuch
Kreatives Schaffen

Eroica-Apfel: Frauenschuhs Sinfonie-Studien (2/3)

26. Februar 2026 | Johannes Frauenschuh (Wien)

Studien zur 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven

Ich male heute wieder mit Ölfarbe auf Sperrholz, während ich erneut die 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven höre; die Musik ist der innere Kompass meines heutigen bildnerischen Tuns.

Es entsteht eine Art Landschaft. In ihr erhebt sich ein überdimensionaler Apfel: monumental, fast surreal – und zugleich einem futuristischen Wohnhaus ähnlich. Seine Oberfläche ist weich modelliert, so wie die Haut einer Frucht. Dieser Apfel ist nicht nur Objekt, sondern Lebensraum.

Ich reflektiere den Entstehungszusammenhang der dritten Sinfonie und frage mich: Was bedeutet Eigenverantwortlichkeit für mich? Und was bedeutete die Eigenverantwortlichkeit des Menschen wohl für Beethoven? Er stellte sich entschieden gegen das starre Klassensystem seiner Zeit, verstand sich als Individuum und hielt unbeirrt an der Würde des Menschen fest. Diese Haltung pulsiert für mich in der „Eroica“. Die Musik erhebt Anspruch auf Freiheit – sie fordert, sie ist mutig.

Mein Apfel wird nun zum Symbol für Individualität und Erkenntnis, zum bildnerischen Gegenüber eben jener Selbstverantwortlichkeit. Dieser Apfel symbolisiert nichts Verbotenes, kein verlorenes Paradies. Hier ist er Wohnraum, ein Ort individueller Entscheidungen, ein Denkraum. Die Menschen, die in ihm wohnen könnten, tragen Verantwortung für ihre Welt.

Während ich den Hintergrund der Landschaft mit kühlen, beinahe melancholischen Blau- und Grautönen fülle, denke ich über Heimat nach. Ist diese Welt, so wie sie heute ist, für mich Heimat? Die Landschaft, an der ich male, ist nicht idyllisch im klassischen Sinn. Sie ist ein Suchraum, in dem ich Beethovens Weltbezug nachzuspüren versuche und sein Ringen um Gemeinschaft und Freiheit. Beethoven verstand seine Musik als Beitrag zur Menschlichkeit, als Dialog zwischen Individuum und Welt. Als Kind seiner Zeit suchte er Verbindung zum Außen durch sein künstlerisches Tun. Geht es mir in meiner Kunst um etwas Ähnliches?

Womöglich ist das mein heutiger Erkenntnisapfel: die Einsicht, dass Heimat nicht an einen Ort gebunden ist, sondern im aktiven Sich-Einlassen auf die Welt entsteht.

(Copyright: Johannes Frauenschuh)