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Reisetagebuch
Kreatives Schaffen

Klangteppich-Dialog: Stille Post mit Kai zwischen Beethoven, Tusche und Loop

24. März 2026 | Ricarda Rommerscheidt (Bonn) Kai Niggemann (Köln)

Klangteppich-Dialog

Ich habe im Atelier einen meiner ersten „Klangteppiche“ weiterbearbeitet – viele Schichten übereinander, die Zeichnung auf den Kopf gestellt und verdichtet, damit das Drängende in Beethovens Musik und eine Vorwärtsbewegung klar hervortreten. Welche Klänge würde Beethoven darin wohl erspüren? Da er mir nicht zur Verfügung steht, schickte ich Kai Niggemann, dem vielseitigen Komponisten, Musiker und Sounddesigner aus Köln, meine Zeichnung und fragte, ob ihn eine Kooperation à la „Stille Post“ interessiert.

Kollaborativer Ablauf

Beethoven hat mir eine Sinfonie „ins Ohr geflüstert“. Ich hörte sie mehrfach, über verschiedene Tage, und zeichnete in Schichten, was bei mir ankam. Das „flüstere“ ich Kai weiter – per Zeichnung. Er hört/sieht es und gibt zurück, was er darin vernimmt, als Sound. Schon einen Tag später kam seine Antwort: „Let´s try it!“ Und wenige Tage darauf erreichte mich sein erster Loop mit dem Hinweis: „…da noch andere Tonalitäten reinkommen könnten — und es sich über die Zeit völlig verändern könne…“

Taktiler Sound und Beidhändigkeit

Zwischenzeitlich telefonierte ich mit Anne Barth (Berlin) und erzählte ihr, wie sehr ich den Klang meiner Zeichenstifte auf dem Papier mag. Sie schlug vor, das bei der nächsten Zeichnung aufzunehmen, während ich Musik über Kopfhörer höre. Also hörte ich Kais Loop, klebte das Zeichenpapier fest, um beidhändig zu zeichnen, und nahm den Stiftklang mit dem Handy auf. Ich schickte Kai die reine Aufnahme, die entstandene Zeichnung und später die weiter bearbeitete Version. Nun warte ich gespannt auf seine nächste „Übersetzung“ – ein Dialog, der solange andauert, wie er uns erfüllt.

Foto: Start-Zeichnung unserer Kooperation, „Klangteppich B5 dunkel“, Tuschestifte auf Zeichenpappe, 19 x 28 cm.

(Copyright: Ricarda Rommerscheidt)