Stille Post Dialog: Die Erkenntnis-Spirale zwischen zweihändiger Tusche und geheimem Beethoven
Stille Post zwischen Bonn und Köln
Seit einiger Zeit führen die Künstlerin Ricarda Rommerscheidt (Bonn) und der Sounddesigner Kai Niggemann (Köln) einen besonderen künstlerischen Dialog. Das Prinzip der „Stillen Post“ dient dabei als Motor: Ricarda übersetzt die Impulse von Werken Ludwig van Beethovens in vielschichtige Tuschezeichnungen. Diese visuellen Werke sendet sie an Kai, der – ohne das zugrunde liegende Werk zu kennen – die Zeichnung musikalisch interpretiert und als klanglichen Loop zurückgibt. Ein Kreisel aus Hören, Sehen und Antworten.
Klangteppich-Dialog: Die Erkenntnis-Spirale zwischen zweihändiger Tusche und geheimem Beethoven
Kais Loop dreht sich in meinem Ohr, ein Sog aus Wiederholung und Erneuerung. Mir kommt der Begriff der Erkenntnis-Spirale in den Sinn: Ein Kreisen, bei dem wir scheinbar den vertrauten Punkt passieren, nur um festzustellen, dass uns die Bewegung auf eine höhere Ebene getragen hat. Erkenntnis ist kein Geistesblitz; sie ist ein Reifeprozess, ein geduldiges Durchdringen der Schichten. Ging Beethoven diesen Weg? Ich sehe ihn vor mir, wie er Motive zermahlt, bis nur noch das Skelett der Wahrheit übrig bleibt – ein Ringen zwischen innerem Aufruhr und ultimativer Stille.
Taktile Zwiegespräche und Beidhändigkeit
In meiner Antwort-Zeichnung wird dieses Ringen physisch. Ich arbeite zweihändig mit unterschiedlichen Stiftstärken: Links die Zartheit, rechts die Dominanz. Zwei Stimmen treten in einen Dialog – sie umschlingen sich, stoßen sich ab, verschmelzen im Schwarz der Tusche. Chaos und Ruhe, Tag und Nacht, der Kreislauf des Lebens. Kai Niggemann gefiel die „Tiefenstaffelung“ der Zeichnung; nun bin ich gespannt, was er musikalisch darauf antworten wird.
Kollaborativer Ablauf: Das Rätsel der Quelle
Hier liegt der Reiz unserer fortgesetzten Stillen Post: Der Geist Beethovens ist unser gemeinsamer Begleiter, doch das konkrete Werk, das meine Hand führt, bleibt mein Geheimnis. In Gedanken werfe ich ihm dieses visuelle Rätsel zu: „Kai, findest du den Rhythmus meiner zweihändigen Jagd in deinen Reglern wieder?“ Und ich stelle mir vor, wie er am anderen Ende der Leitung antwortet: „Ricarda, ich sehe die Anschlagsdynamik deiner Striche. Ich suche das Grundrauschen deiner Geste. Mein Oszillator zittert schon – ich antworte dir in Wellenform.“
Ricarda
