Wien - Stadt der Widersprüche: Ich hänge gerade im 2. Satz der 7. Sinfonie drinnen
35 seiner 56 Jahre hat Beethoven in Wien verbracht, meiner Heimatstadt. Ich habe mich gefragt, warum er ausgerechnet diese Stadt zum Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens gemacht hat.
Warum Wien? Dieses Mittelding aus Stadt und Dorf, aus Jammern und Euphorie, aus Gemütlichkeit und Todessehnsucht? Natürlich, seine Gönner saßen in Wien und – ganz pragmatisch – er konnte hier gut leben. Aber war es nicht auch die Leidenschaft seines unruhigen Wesens, die Zerrissenheit, die Widersprüchlichkeit? Wien ist heute noch eine Stadt der Widersprüche und vielleicht auch deshalb hat meine Stadt auch Anteil an der Kraft und am großen Variantenreichtum seiner Musik.
Beethoven ist über 60 mal in Wien übersiedelt. . Er galt als sehr ruheloser Mieter, der aufgrund von Konflikten mit Nachbarn, lautem Musizieren oder dem Wunsch nach Veränderung häufig den Wohnsitz innerhalb der Stadt und der Vorstädte wechselte.
Kommt mir sehr bekannt vor, diese innere Unruhe der scheinbar harmonischen Stadt und ihrer Bewohner.
Ich möchte die Leidenschaft und die Emotion in Beethovens Werken zu meinem Thema machen. Ich weiß noch nicht, in welcher Ausdrucksform, aber ich kann sie spüren, wenn ich zum Beispiel seine Klaviersonaten und seine Sinfonien höre. Gerade hänge ich in dem sehr einfachen 2. Satz der 7. Sinfonie förmlich drinnen.
Hinweis: Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 entstand in den Jahren 1811 bis 1812 und war Moritz Reichsgraf von Fries gewidmet. Die Uraufführung fand am 8. Dezember 1813 in Wien statt. Im Jahre 2018 wurde ein bislang unbekanntes Exemplar der Partitur bekannt mit der Widmung an Antonie Brentano: „Meiner hochverehrten Freundin Antonie Brentano von Beethoven“. Nicht wenige Beethoven-Forscher vermuten in ihr die Adressatin des berühmten Briefes von Beethoven "an die Unsterbliche Geliebte".