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Reisetagebuch
Neue Werke

Wohin die Reise geht: Licht wie ein innerer Ton

15 April 2026 | Simone Ghin (Dresden)

Wohin die Reise geht – diese Frage begleitet mich seit langem. Jeder Anfang, sei es eine Reise, ein neues Projekt, eine neue Idee, ist immer auch ein Aufbruch ins Ungewisse. Wo wird der Weg mich hinführen? Welche Hindernisse, welche Schönheiten, welche Begegnungen warten auf mich? Und wie werde ich darauf reagieren?

In meinen Arbeiten greife ich gerne die Natur und Landschaften als Synonym für das Leben an sich auf. Die Natur hat die Kraft, uns zu stärken, zu nähren, zu heilen. In ihr können wir auftanken, innehalten, die Energie schöpfen, die wir auf unseren Weg brauchen. Oft, wenn ich "männlich" bin, spüre ich, wie sich dieses Empfinden in Farbe verwandelt – wie ein stiller Resonanzraum zwischen Außen und Innen entsteht.

Ich arbeite mit Seide und Glas – beide transparent, durchlässig für das Licht, das hinter allem existiert. Dieses Licht ist für mich wie ein innerer Ton, eine Schwingung, die in allem wohnt. Vielleicht berührt mich darum auch Beethovens Musik so sehr: Sie sucht das Unsichtbare, verwandelt Dunkel in Klang, Schmerz in Bewegung, Stille in Licht. Sein Schaffen war ebenfalls ein Aufbruch – ein Hineinhören in das, was jenseits des Sicht- und Hörbaren liegt.

So verstehe ich auch meine eigene Arbeit. Meine Bilder nenne ich Seelenlandschaften : Orte des Atems, Räume für innere Bewegung. Sie laden zum Eintauchen und Verweilen ein, so wie Beethovens späte Klaviersonaten den Hörer in einen Zustand des Lauschens führen, in dem Zeit keine Rolle mehr spielt.

Mein Bild „Wohin die Reise geht“ (120 x 90cm) habe ich auf Seide grundiert – die bemalte, transparente Seide auf Leinwand aufgeklebt und mit Acrylfarbe lasiert. Dann habe ich farbige Seide, feine Strukturen und Blüten aufgebracht, Akzente aus Glas gesetzt. Das Weiß der grundierten Leinwand scheint hindurch, wie eine Erinnerung an das, was offen bleibt.

(Copyright: Simone Ghin)