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Reisetagebuch
Interviews

Drei Fragen an: Ricarda Rommerscheidt

12. Februar 2026 | Interview

Was verbindet Dich mit Leben und Werk von Beethoven oder auch nicht?

Ich bin in Beethovens Geburtsstadt Bonn geboren und lebe und arbeite noch heute hier. Mein Vater holte nach dem 2. Weltkrieg sein Abitur auf dem Beethoven Gymnasium nach; meine Tochter erhielt dort letztes Jahr ihr Abiturzeugnis. Ich selbst habe schräg gegenüber im Juridicum studiert.

Nun - in 2026 - feiert das Beethoven Gymnasium sein 400-jähriges Bestehen. Nach alten Aufzeichnungen wurde das Gymnasium damals zur Akademie erweitert und nach einer kaiserlichen Genehmigung aus Wien Teil der Bonner Universität. 1798 wird Ludwig van Beethoven dort als Student aufgeführt. 1925 erhält die Schule schließlich den Namen des größten Sohns der Stadt Bonn.
(Quelle: General-Anzeiger Bonn, 15.01.26)

Warum gehst Du mit Beethoven und uns in diesem Jahr auf diese fiktive Reise?

Beethoven als Marke, als Touristenmagnet begegnet mir hier in Bonn täglich - so häufig, dass ich ihn lange gar nicht mehr wahrgenommen habe. Er steht quasi überall rum in Form von kleinen Skulpturen, Souvenirs, Gebäck, Pralinen oder als Namensgeber für die öffentliche Infrastruktur: Straße, Platz, Parkhaus, Schiff, Orchester, Halle, Schule …

Seitdem ich bei diesem Projekt dabei bin, gehe ich wieder mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt, suche nach allen Beethoven-Spuren - realen aus der Vergangenheit, Kunst zu seinen Ehren bis hin zu „Tineff“ (Krimskrams in Souvenir-Läden) mit seinem „Logo“ darauf. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, alles dazu zu fotografieren. 

Mich reizt an diesem interdisziplinären Kunst-Projekt die Suche nach Aspekten zu Beethoven, die wir zusammen neu anschauen, reflektieren, die in unsere Werke einfließen und so vielleicht neue, andere oder aktuelle Zugänge zu seinem Werk - zu ihm selbst ermöglichen - insbesondere auch für Menschen (wie mich), die nicht so klassische-Musik-affin sind.

Gab es in Deinem Leben Ereignisse, die direkt oder indirekt mit Beethoven etwas zu tun hatten?

Mir fallen spontan drei ein:

Als Jugendliche wurde ich „überredet“, dem Paten-Sohn meines Vaters Bonn zu zeigen. Neben dem Regierungsviertel (damals war Bonn noch Bundeshauptstadt) stand u.a. auch Beethovens Geburtshaus auf dem Plan - so sah ich es zum ersten (und bisher letztem) Mal von innen.

Nach einer völlig verspäteten Bahnreise schleppte ich mich müde durch die Innenstadt nach Hause. Plötzlich ertönte Musik, ließ mich schneller und hüpfender laufen - auf unserm Marktplatz wurde gerade die „Ode an die Freude“ gesungen (jeweils zum traditionellen Ende des Bonn Festes im September jeden Jahres) und ich kam bester Laune zuhause an.

In einem Urlaub hatten wir ein Hotel, wo ein Piano stand. Unsere Tochter setzte sich daran, holte ihr Handy heraus und spielte nach Youtube-Anweisung „Für Elise“. Sie spielt eigentlich keinerlei Instrument, aber es klang nach einer Weile gar nicht so schlecht.