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Reisetagebuch
Allgemeines

Wäre er nicht Beethoven, hätte ich ihn längst vor die Tür gesetzt.

02 February 2026 | Johannes Frauenschuh (Wien) an Frank Wallburger (Reiseleiter)

Lieber Frank,

heute muss ich mich wieder bei Dir melden, denn Beethoven hat in den letzten Tagen eine deutliche Kursänderung in seinem Verhalten und Tun vollzogen! Er verbringt die Nächte nun nicht mehr nur am Computer, auch reden wir mehr miteinander als in den ersten Tagen nach seinem Einzug bei mir.

Er geht eher zu Bett, um bereits vor Mittag ins Grüne zu wandern - ausgerüstet mit Notizheft und Stift. Nach der Rückkehr von seinen Touren zelebriert er immer noch gern das „Heiß-Warm-Duschen“, dabei wirbelt er wild als Dirigent vor seinem imaginierten Orchester.

Das ist zwar alles recht lustig anzusehen, aber trotzdem: Ich bin zunehmend verzweifelt wegen seiner Anwesenheit in meiner kleinen Wohnung! Er ist unordentlich, überall liegt Zeug von ihm herum! Und was noch schlimmer ist: Meine Wände bekritzelt er mit Worten, die, wie er selbst sagt, seine neuen Wort-Kompositionen sind, die er wohl auch mithilfe der KI generiert. „Hammerstoß, Seuffzerwind, Depressio mollig - Jubilatio finalis mit Kirchenglocke!“ Und noch mehr von diesen Formeln stehen jetzt an meinen Wänden.

Wäre er nicht Beethoven, hätte ich ihn wohl längst vor meine Tür gesetzt. Ich erkenne meine eigene Wohnung nicht mehr... Schrecklich! Meine Ratschläge an ihn, sich in Wien mal umzusehen, etwa seine Orte von damals zu besuchen, ignoriert er gänzlich: Computer - Schlafen - Wandern - Duschen - Essen und Wein trinken... mehr will er im Moment nicht.

Frank, wir brauchen eine Idee. So kann es nicht weitergehen!

In Sorge…

Johannes