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Reisetagebuch
Kreatives Schaffen

Klaviersonate Nr. 14 zum Mondrelief: Wenn Beethovens Klang zu digitaler Geologie wird

30 April 2026 | Marion Abate (Regensburg)

Draußen ist es still, aber hier drinnen arbeitet die Zeit. Ich höre die Beethovens Klaviersonate Nr. 14 – die „Mondscheinsonate“. Man sagt, er habe sie aus einer tiefen inneren Zerrissenheit geschrieben, eine Form, die mit der Tradition bricht.

Während die berühmten Triolen des ersten Satzes wie ein unaufhörlicher, dunkler Strom fließen, beobachte ich meinen Drucker. Schicht um Schicht übersetzt er diesen Rhythmus in Material. Mein Mondrelief wird zum Dialog mit seinem musikalischen Geiste. Es ist kein Abbild, es ist eine Topografie des Klangs. Die einzelnen Druckbahnen bleiben bewusst sichtbar, eine feine, rhythmische Gliederung – genau wie die repetitive Bewegung der Triolen, die uns in einen fast hypnotischen Zustand versetzen.

Ich sehe zu, wie sich die Keramik aufbaut, eine fragile Architektur aus Ton. Das Licht im Atelier wandert über die Oberfläche, und plötzlich lebt sie. Schimmernde Farbübergänge, die auf jeden meiner Schritte reagieren. Nichts bleibt statisch. Je nach Perspektive treten andere Zonen hervor – Erhebungen, die wie ferne Gipfel leuchten, und tiefe, schattige Vertiefungen. Es erinnert an eine planetare Oberfläche, an die Einsamkeit des Mondes, von der Beethoven vielleicht erzählte, ohne sie beim Namen zu nennen.

Dann der Moment der Gegenüberstellung: Die Keramik und das Polymer. In der Keramik spüre ich das Prozessrisiko. Die Hitze des Brennofens hat Krater und Brüche hinterlassen – es ist die menschliche Seite, das Schicksalhafte, das Unvorhersehbare der Musik. Das Polymer daneben wirkt fast wie eine freigelegte Logik. Die Schichtung ist präziser, geschlossener, sie reflektiert das Licht mit einer Klarheit, die die digitale Konstruktion fast schmerzhaft scharf sichtbar macht.

Zwei Zustände derselben Form. Kontrolle und Abweichung. In der Sonate ist es die strenge Form, die gegen die emotionale Eruption kämpft. In meiner Arbeit ist es das Material, das sich der digitalen Ordnung widersetzt oder sie vollendet. Es ist kein Bild, das ich geschaffen habe. Es ist ein Zustand. Eine Verdichtung von Zeit, Rhythmus und Materie.

Marion Abate, Regensburg 

(Klaviersonate Nr. 14 zum Mondrelief. Copyright: Marion Abate)