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Reisetagebuch
Beethoven-Nachricht

Prag sechster Tag: Ein morsches Haus an einem ungelebten Tag

24 April 2026 | Ludwig van Beethoven: Reise 1796 | 2026

Prag, am 24ten Aprilis 2026.

Ein thieffer Jammer zieht am Tag! Der Himmel über mir hängt voller Bley, und mein Leyb ist ihm in Treue ergeben. Ich bin heut´ nicht über die Schwelle getreten. Wozu auch? Um mich vom Wind verhöhnen zu laßen?

Die alten Plagen sind zurück. Es wühlt und gräbt in meynen Eingeweiden, als wollen sie mir den Geyst aus dem Fleisch herausschneiden. Ich liege in diesem kärglichen Zimmer, das nach altem Staub und ungewaschener Hoffnung riecht. Das Bett ist hart wie ein Kerkerlager, und die Wände rücken stündlich näher. Ein jeder Knochen in mir grollt – ein dumpfes, häßliches Murren, das kein Wille zu bändigen vermag. Ich bin mißgelaunt, ja, ich bin es mit Recht!

Was nützt mir dieses zweyte Leben, wenn es in derselben morschen Hütte wohnen muß? Ihr Künstlervolk, Wallburger! – du hast mir 2026 geschenkt, aber wo bleybt das Kraut gegen den Ingrimm in Beethovens Leib? Verschwinde aus meynem Kopf mitsamt deinen Postillonen als Teufel! Ich fühle mich wie eine Saite, die man zu straff gespannt hat; sie singt nicht mehr, sie ächzt nur noch, bevor sie birst. Wo ist meyne versprochene Freiheyt, wenn der Darm sie an die Erde kettet?

In meiner Pein flieht mein Innerstes zurück in jenen Straßenwagen auf Metallfugen in Wien. Ach, träte doch die Muse mit der Fiedel jetzt durch diese morsche Thür! Sie legte mir die Hand auf, und ihr Flüstern dringt durch den Wall meiner tauben Ohren: Deine Klänge sind die echte Reise. Blitzende Münzen für deinen Leyb.

Sogar meine Taubheit scheint mir heute wie ein schwerer Mantel aus Stein. Ich starre auf die Thür und warte auf einen Klopfer, den ich doch nicht hören darf. Alles ist leer. Alles ist eitler Tand – tanzender Schmerz in meinem Rücken. Meyne Gedanken sind schwarz wie D-Moll. Ich sehne mich nach einem Trunk, der nicht nach diesem modernen Gift schmeckt, sondern nach der Sonne des Rheins. Doch ich bleibe hier liegen, als Gefangener meyner sälbigen Knochen, und warte, daß der Tag vergeht, ohne daß ich ihn lebe. Ein verlorener Tact. Der Thod wäre mir heut’ ein willkommenerer Gast.
L.v. Beethoven

Sketch for the “Dissonance of the Body” (fragment):
Adagio lamentoso.
A deep bassthon (the rumbling in the body) that doesn't want to go away.
The violins attempt a melody, but they keep breaking off into sharp sforzati.
A bright glow from the solo violin – ppp – the Muse theme. Silver harp sounds like soothing balm over the bass.
At the end there is a hollow blow from the timpani - pp - but the delicate echo of the violin remains.

The rotten house

  • The Lesser Town (Malá Strana) through the ages: In 1796, this district was the magnificent heart of the nobility. Beethoven moved between stately palaces and narrow streets where the clattering of horses' hooves set the pace. Today the Lesser Town presents itself as magnificent Showcase into history. While the main paths have been brilliantly restored, there are still those unrenovated, “rotten” corners in quiet backyards away from the tourist crowds that, for Beethoven, represent a connection to his own transience.
  • The Lesser Town as a lively place for the arts: The district is now considered Prague's bohemian artists' district. There are numerous small galleries in the immediate vicinity of Beethoven's accommodation Czech Music Museum (in a former baroque church). In museums like that Lobkowicz Palace In addition, Beethoven's original scores are preserved as shrines - a circumstance that fills the composer with a mixture of pride and strangeness in his current isolation.
  • Physical ailments: The mentioned complaints in the abdomen and bones relate to Beethoven's historical medical records. During his early life he suffered from chronic intestinal problems and rheumatic pain. The resurgence of these symptoms in 2026 demonstrates the tragic connection between his immortal art and his decrepit physique.
  • Psychosomatics and depression: The “black thoughts in D minor” refer to Beethoven’s Tendency to depressive phases, which often accompanied his physical crises. D-Moll war für ihn die Tonart der Tragik und des Schicksals (vgl. 9. Sinfonie).
(KI generiertes Bild: Beethoven seine morsche Hütte)